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Was wächst denn da

12.07.2016, 17:22 Uhr
Holzwinkel
abgelegt unter Vorträge

Holzwinkel. Goldgelbe Kornfelder, duftendes Heu, idyllische Wiesen und Weiden voll mit Wildblumen und summenden Bienen, womöglich sogar mit glücklichen Kühen - so stellt sich der Mensch die optimale bäuerliche Landschaft vor. Leise sollte es sein und überhaupt nicht stinken. Gut und schön soll es bitte in der Landwirtschaft zugehen, giftfrei und gesund, am besten natürlich nur BIO. Unsere Kartoffeln, die wollen wir riesig. Unsere Äpfel: makellos. Mit gutem Gewissen will der Verbraucher am Esstisch genießen, was von gütig drein blickenden Bauern liebevoll genährt und verantwortungsvoll gepäppelt wurde.

Was wächst denn da

Dass man das alles in der Realität so nicht zusammen haben kann, liegt selbst dem Laien nahe. Es wirklich sicher wissen und fundiert darüber reden, das können diejenigen, die ganz nah dran sind an der landwirtschaftlichen Erzeugung unsrer Lebensmittel: die Landwirte. Am vergangenen Sonntag standen viele im Holzwinkel deswegen an ihren Feldern. Wer trotz Sommerhitze dem Aufruf des Kultour-Sommers zur Familienradtour "Was wächst denn da" folgte, konnte sich richtig schlau machen. Auf interessierte Nachfragen bekamen Teilnehmer oft erstaunliche Antworten.

Die Entscheidung darüber, was da in unserer Landschaft wächst und wie - die fällen wir alle. Und zwar mit unserem Griff ins Lebensmittel-Regal, meinte Heinrich Jäckle. Jäckle ist mit Leib und Seele Bauer, zugleich Bauernverband-Ortsobman und Bürgermeister. Die rosa Wunschbrille, in der sich noch schwach die Feld-Wald-Wiesen-Idylle des einleitenden Satzes spiegelt, die lässt der Durchschnitts-Gutmensch auf dem Weg zur Ladenkasse dann aber leider tief unten in der Kiste seiner guten Vorsätze liegen. Im Einkaufswagen landen in Deutschland meist Lebensmittel, die nach einem knallharten Prinzip ausgewählt werden: es darf uns nichts kosten.

Neben Jäckle stand Bauer Martin Brem. Auf seinem Feld östlich von Heretsried, direkt am Radweg, hat er heuer Weizen angebaut. Die Brems kommen vom Schmidbauerhof in Hirblingen und wirtschaften konventionell, vermarkten ihre Produkte überwiegend direkt, auch über die eigene Webseite. "Wir gehen nach dem integrierten Pflanzenbau, das heißt nach dem Schadschwellenprinzip, vor. Wir schauen uns genau an, was an Unkraut und Krankheiten kommt, danach wird der passende Pflanzenschutz gewählt. Denn die Mittel kosten richtig Geld, und da schaut der Bauer lieber zweimal, bevor er zur Giftspritze greift. Den Preis, der auf der Tafel am Feld aufgedruckt ist, werden wir dieses Jahr leider nicht erlösen können", meinte Brem.

Auch am nächsten Halt stehen Tafeln und informieren über Maisanbau. "Der Mais ist in letzter Zeit etwas in Verruf gekommen - und das zu Unrecht. Maisanbau nur zur Biogasgewinnung sehe auch ich kritisch. Die Photovoltaikanlage gegenüber produziert fünfundzwanzig mal so viel Energie wie der Mais. Dennoch ist der Anbau sinnvoll: unter anderem, weil man die Energie speichern und gezielt freisetzen kann", so Jäckle. Noch positiver bewertete er den tief wurzelnden Raps. Man kann die ganze Pflanze verwerten, die Rapskuchen, die von der Ölpressung bleiben, dienen als Viehfutter.

Zum guten Schluss trafen sich die Radler aus Heretsried mit denen aus Adelsried am Sibich-Hof bei Welden zu einem großen Familienfest bei Kaffee und Kuchen.

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