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BlechZehn bläst Dornröschen den Marsch

20.06.2016, 13:09 Uhr
Welden
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Welden. Mögen Sie Märchen? Und mögen Sie Musik? Dann waren Sie am Sonntag sicher auch mit dabei im Holzwinkelsaal Welden. Falls nicht, dann haben Sie leider ein herausragendes Ereignis im diesjährigen Kultour-Sommer verpasst. Das Ensemble BlechZehn, bestehend aus neun Blechbläsern und einem Erzähler, zauberte einen Abend lang Märchenstimmung pur vor einem rundum begeisterten Publikum. Augen und Ohren weit geöffnet, manchmal mit etwas Gänsehaut vor lauter wohligem Gruseln, folgten auch siebzehn noch ganz kleine Besucher der Vorführung im komplett abgedunkelten Konzertsaal.

BlechZehn bläst Dornröschen den Marsch

Moment, ein ganz dunkler Saal, jetzt, da endlich mal die Sonne scheint? Die Verdunkelungsaktion hatte einen einfachen Grund. Rund um die alte Geschichte der Gebrüder Grimm von Dornröschen rankte sich ausnahmsweise nicht nur die wunderbare Musik, die Peter Tschaikowsky extra für sein Ballet geschrieben hat. Der zehnte im Bunde und Erzähler des heutigen Abends, Daniel Ruf, ist kein Musiker, sondern nebenbei Besitzer eines eigenen Puppentheaters und hauptberuflich Grafiker. Als solcher hat Ruf im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit den neun musikalischen "BlechZehnern" einen berauschend bunten Bilderzyklus zu Dornröschen geschaffen. Und eben diese Bilder projizierte Ruf mit einem Beamer auf eine große Leinwand am Kopfende des Saals, während er zwischen den einfühlsam interpretierten Tongemälden Tschaikowskys die Grimmsche Geschichte mit seiner extrem wandelbaren, sonoren Stimme wach küsste und lebendig werden ließ.

Können Sie sich noch so richtig an die alten Grimmschen Märchen und die Geschichte von Dornröschen erinnern? Erna Stegherr-Haußmann, Bürgermeisterin von Adelsried und Chefin des Kultour-Sommers, kann es. Sie gehört einer Generation an, der alle diese Märchen noch von der Großmutter erzählt wurden. Und das sogar im heimischen Stall, bei der Arbeit. Von solcher Idylle können moderne Eltern und Kinder heute im einst so bäuerlich geprägten Holzwinkel nur noch träumen.

Noch schlimmer: Oft wird an den alten Märchen viel und zu Unrecht herum kritisiert. Dabei birgt die ganz und gar nicht verstaubte Story von der überbehütet aufwachsenden Prinzessin, die gerade ihrer Helikopter-Eltern wegen unausweichlich in hundertjährigen Komaschlaf versinkt, explosiven Zündstoff und höchst nützliche Lehren für eine bessere Kindererziehung.

Gleich zwei kapitale Erziehungsfehler ziehen sich durch diese Geschichte, aus denen wir Eltern viel lernen können. Erstens: Nur mit drastischen Verboten allein kann man seine pubertierende Prinzessin nicht vor den unabwendbaren Gefahren des Heranwachsens schützen. Solche Verbote erhöhen nur den Reiz. Und zweitens: wenn man schon den falschen Weg der permaneneten Überwachung eingeschlagen hat, dann darf man seine Kleine nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Die baut nämlich sofort richtig Scheiß, sticht sich an der Spindel und reißt das ganze Königreich mit ins Verhängnis. Kleiner Trost zum Schluss: Wenn das mit der Erziehung schlussendlich total schief den Bach runter gelaufen ist - nicht verzagen. Mit etwas Geduld taucht zur rechten Zeit der passende Märchenprinz auf - und biegt das mit der Kleinen wieder hin.

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